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Denkwürdige transkulturelle Fremdgänge
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"Denkwürdige transkulturelle Fremdgänge" zieht kaleidoskopisch eine kriti-sche Summe aus inter- und transkulturellen Begegnungen und realisierten Projekten in Brasilien, Indien und Deutschland zwischen 1966 und 1999. Der Autor evaluiert Erfahrungen in den Bereichen Theater, Film, Musik und Kunst wie auch in kulturpolitischen Seminaren und Kolloquien und zeigt Möglichkeiten und Schwierigkeiten auf, Kulturprojekte in Solidarität und wechselseitiger Achtung zwischen Künstlern und Intellektuellen unterschied-licher Kulturen produktiv und kreativ zu realisieren. Ausgewählte Modelle solcher Projekte werden in ihren Verwirklichungs-prozessen dargestellt. In den politischen Konstellationen jener Jahre - eine Militärdiktatur in Brasilein, eine kommunistische Regierung in Indien, eine sich herausbildende Demokratie in Deutschland - erweist Kulturarbeit ihre reflektive, widerständige und kritische Kraft, herausgefordert durch konser-vative Schranken und politische Beschränkungen. Es galt autonome Räume und Bedingungen kulturellen Schaffens aufrechtzuerhalten oder herzustellen und die Freiheit des Ausdrucks angesichts repressiver Verhältnisse, institu-tioneller Interventionen und politischer Verfolgung zu gewährleisten. Die ausgeführten Erfahrungen werden collageartig konfrontiert mit Zitaten aus Kritiken, Literatur und Dokumenten, um den kulturellen, sozialen und politischen Kontext wie auch die Rezeption und den Widerhall in den jewei-ligen Gesellschaften zu verdeutlichen. Einige wenige aus diesem Buch herausgegriffene Äußerungen mögen die Umfelder der dargestellten Kulturarbeit andeuten: "Die Programmplanung der Goethe-Institute ist so rechtzeitig zur Erörterung zu stellen, daß die Auslandsvertretung dazu Stellung nehmen und das Programm gegebenenfalls noch geändert werden kann." (Erlaß des Auswärtigen Amtes der BRD). "Je stärker unsere wirtschaftliche Aktivität nach außen als wirtschaftliche Macht em-pfunden wird, desto bedeutsamer ist kulturpolitische Aktivität als Ausgleich und Gegenwirkung !" (ein Kulturausschuß der deutschen Wirtschaft). "Ist der Žhäßliche DeutscheŽ nicht für ewig das Zielobjekt dieser Pseudo-Intellektuellen, wie dem Herrn Beuys, diesem führenden Fettkünstler moderner Scharlatanerie, diesem Jürgen Habermas, diesem Wegbereiter der linken Kulturrevolution, diesem durch seine Terrorsympathie bekannten Filmregisseur Volker Schlöndorff, diesem Grass mit seinen antideutschen Hetzreden, diesem SPD-Agitator Klaus Staeck mit seinen die Hetzplakate im "Stürmer"-Stil...?"(ein deutsches Magazin über Kulturprogramme der Goethe-Institute). "Dieses pornografische Tanztheater der Pina Bausch verdirbt unsere bengalische Jugend! Bringen Sie uns doch volksnahe Kultur, wie die Sowjetunion, Nordkorea, die Deutsche Demokratische Republik !" (ein indischer Kultusminister). "Ein deutscher Regisseur, ein griechischer Klassiker, bengalische Schauspieler..., ja sagen Sie mal, wo bleibt denn da die deutsche Schauspielkunst ?" (ein bundesdeutscher Kultur-freund auf Indienreise). "Wozu ausländische Experten ? Wir verfügen bereits über genügend Erfahrung, um uns über das Entsenden von Kapital, Ausrüstung und Batallionen hochbezahlter Experten ein Urteil bilden zu können." (ein brasilianischer Bischof). "Wir fordern Sie hiermit auf, diese subversiven Elemente aus Ihrem Institut und aus Ihren Veranstaltungen zu entfernen ! Bewahren Sie uns vor der Not eingreifen zu müssen, das liegt doch auch im Interesse Ihrer Regierung !"(ein Dienststellenleiter der brasilianischen Bundespolizei). "Du kannst ja hier mit uns noch so viel antifaschistische Programme machen, das nehmen wir Dir im Grunde nicht ab. Ihr Deutschen werdet doch als Nazis geboren !" (ein brasilia-nischer Linksintellektueller) "Die hellen und festlichen Farbtöne, mit denen die DDR ihr Land im Ausland malt, werden auf die Dauer erfolgreicher sein als die düstere Götterdämmerungspalette der Goethe-Institute !" (ein bundesdeutscher Ministerpräsident). "Schön, daß Sie als Afro-Ethnologe nach Bahia gekommen sind ! Wir werden einen vollen Saal haben und anschließend bestimmt eine sehr lebhafte Diskussion !" "Oh, bitte nicht! Mit der afro-brasilianischen Kultur habe ich mich bisher noch nicht befassen können." (ein deutscher Akademiker). "Ich bin da in einem Ihrer Räume auf eine Studiengruppe für afro-baianische Kultur gestoßen. Das sind ja ausgemachte Marxisten ! Sorgen Sie dafür, daß die aus unserem Institut sofort verschwinden !"(ein leitender Angestellter des Goethe-Instituts München). "Diese Aneignung unseres Genossen Brecht durch das imperialistische westdeutsche Kulturinstitut werden wir nicht dulden !" (DDR-Freundschaftsgesellschaft in Calcutta). "Theatermachen bedeutet für diese jungen bengalischen Schauspieler nicht Flucht vor der Scheiße, vor dem Grauen in wenige bessere Stunden, sondern politisch-utopische Arbeit...." "Und Ihre ŽAntigoneŽ ist progressiv getünchter kulturimperialistischer Verrrat ! (ein deutscher Theaterregisseur und sein indischer Theaterkritiker). "Habt acht ! Diese westliche Bourgeoisie untergräbt mit ihrer Literatur, ihrem Theater, ihren Filmen die Moral und die Kultur unseres bengalischen Volkes !" (ein indischer Regierungsaufruf gegen die Goethe-Institute). "Jetzt halten Sie aber mal die Luft an ! Mit Ihren Programmen haben Sie schon genug Wind gemacht.Künftig etwas leiser treten, darf ich bitten !" "Jawoll, Herr General-Konsul !" (eine bundesdeutsche Obrigkeit in Calcutta). "Die ausgeführten Erfahrungen mögen zeigen, daß jenseits der Sprachvermittlung vor allem möglichst intensive kooperativ-prozessuale inter- und trans-kulturelle Arbeits-formen auf direktere Weise Verstehen und Verständigung ermöglichen und fördern, wie etwa gemeinsame Themenbewältigungen, Theater- oder Tanzinszenierungen, Film- und Medienprojekte etc.. In solchen Unternehmungen kann das Eigene und das Andere erkennbarer produktiv zueinander finden und lernen, sich in wechselseitigem Begreifen gegenseitig zu achten und zu schätzen. Dann würde sich eine "intellektuelle Unter-entwicklung", vor der einst Heiner Müller warnte, nur noch in Fällen von Selbst-überschätzungen oder Fremdunterschätzungen entlarven, also letztlich in einem fehlenden "willing suspension of disbelief", einem Mangel an unvoreingenommener Verstehensbereitschaft." Kommentar: Die FREMGÄNGE von Roland Schaffner habe ich mit Neugier und zuneh-mendem Vergnügen gelesen, richtiger wäre vielleicht mit ŽFaszinationŽ. Diese Schrift beleuchtet eindrücklich einen Ausschnitt praktischer auswärtiger Kulturpolitik, der auch für zukünftige Generationen eine anregende Lektüre sein könnte. Kantigkeit der Wertungen und Einschätzungen ist ein durchgängiges Merkmal dieser Ausführungen und machen ihren besonderen Reiz aus. Daß die Erfah-rungen und Einsichten fast durchgängig mit Texten von Gastlandautoren unterlegt bzw. zum Ausdruck gebracht werden, ist ein sehr belebendes und zugleich verdeutlichendes Element der Darstellung, Ergebnis einer sehr wirkungsvollen Recherche-Arbeit. Erfrischend ist die über die ganze Strecke durchgehaltene und immer wieder durchscheinende politische Grundhaltung. Die Einsicht in die unerträglichen Problemlagen ist eine Seite und die Erkenntnis in die Lösungsmöglichkeiten ist die andere, aber schwierigere. Die Künste müssen diese Fragen nicht lösen. Aber sie leisten einen wesentlichen Beitrag, wenn sie den Finger in die Wunde legen. Dies scheint ja auch - mit Recht - diese Arbeit immer wieder motiviert zu haben." Dr. Horst Harnischfeger, 1976-1996 Generalsekretär des Goethe-Instituts München.

Anbieter: buecher
Stand: 02.06.2020
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Denkwürdige transkulturelle Fremdgänge
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"Denkwürdige transkulturelle Fremdgänge" zieht kaleidoskopisch eine kriti-sche Summe aus inter- und transkulturellen Begegnungen und realisierten Projekten in Brasilien, Indien und Deutschland zwischen 1966 und 1999. Der Autor evaluiert Erfahrungen in den Bereichen Theater, Film, Musik und Kunst wie auch in kulturpolitischen Seminaren und Kolloquien und zeigt Möglichkeiten und Schwierigkeiten auf, Kulturprojekte in Solidarität und wechselseitiger Achtung zwischen Künstlern und Intellektuellen unterschied-licher Kulturen produktiv und kreativ zu realisieren.Ausgewählte Modelle solcher Projekte werden in ihren Verwirklichungs-prozessen dargestellt. In den politischen Konstellationen jener Jahre – eine Militärdiktatur in Brasilein, eine kommunistische Regierung in Indien, eine sich herausbildende Demokratie in Deutschland – erweist Kulturarbeit ihre reflektive, widerständige und kritische Kraft, herausgefordert durch konser-vative Schranken und politische Beschränkungen. Es galt autonome Räume und Bedingungen kulturellen Schaffens aufrechtzuerhalten oder herzustellen und die Freiheit des Ausdrucks angesichts repressiver Verhältnisse, institu-tioneller Interventionen und politischer Verfolgung zu gewährleisten.Die ausgeführten Erfahrungen werden collageartig konfrontiert mit Zitaten aus Kritiken, Literatur und Dokumenten, um den kulturellen, sozialen und politischen Kontext wie auch die Rezeption und den Widerhall in den jewei-ligen Gesellschaften zu verdeutlichen. Einige wenige aus diesem Buch herausgegriffene Äußerungen mögen die Umfelder der dargestellten Kulturarbeit andeuten: "Die Programmplanung der Goethe-Institute ist so rechtzeitig zur Erörterung zu stellen, daß die Auslandsvertretung dazu Stellung nehmen und das Programm gegebenenfalls noch geändert werden kann." (Erlaß des Auswärtigen Amtes der BRD)."Je stärker unsere wirtschaftliche Aktivität nach außen als wirtschaftliche Macht em-pfunden wird, desto bedeutsamer ist kulturpolitische Aktivität als Ausgleich und Gegenwirkung !" (ein Kulturausschuß der deutschen Wirtschaft)."Ist der ´häßliche Deutsche´ nicht für ewig das Zielobjekt dieser Pseudo-Intellektuellen, wie dem Herrn Beuys, diesem führenden Fettkünstler moderner Scharlatanerie, diesem Jürgen Habermas, diesem Wegbereiter der linken Kulturrevolution, diesem durch seine Terrorsympathie bekannten Filmregisseur Volker Schlöndorff, diesem Grass mit seinen antideutschen Hetzreden, diesem SPD-Agitator Klaus Staeck mit seinen die Hetzplakate im „Stürmer“-Stil.?"(ein deutsches Magazin über Kulturprogramme der Goethe-Institute)."Dieses pornografische Tanztheater der Pina Bausch verdirbt unsere bengalische Jugend! Bringen Sie uns doch volksnahe Kultur, wie die Sowjetunion, Nordkorea, die Deutsche Demokratische Republik !" (ein indischer Kultusminister)."Ein deutscher Regisseur, ein griechischer Klassiker, bengalische Schauspieler., ja sagen Sie mal, wo bleibt denn da die deutsche Schauspielkunst ?" (ein bundesdeutscher Kultur-freund auf Indienreise)."Wozu ausländische Experten ? Wir verfügen bereits über genügend Erfahrung, um uns über das Entsenden von Kapital, Ausrüstung und Batallionen hochbezahlter Experten ein Urteil bilden zu können." (ein brasilianischer Bischof)."Wir fordern Sie hiermit auf, diese subversiven Elemente aus Ihrem Institut und aus Ihren Veranstaltungen zu entfernen ! Bewahren Sie uns vor der Not eingreifen zu müssen, das liegt doch auch im Interesse Ihrer Regierung !"(ein Dienststellenleiter der brasilianischen Bundespolizei)."Du kannst ja hier mit uns noch so viel antifaschistische Programme machen, das nehmen wir Dir im Grunde nicht ab. Ihr Deutschen werdet doch als Nazis geboren !" (ein brasilia-nischer Linksintellektueller)"Die hellen und festlichen Farbtöne, mit denen die DDR ihr Land im Ausland malt, werden auf die Dauer erfolgreicher sein als die düstere Götterdämmerungspalette der Goethe-Institute !" (ein bundesdeutscher Ministerpräsident)."Schön, daß Sie als Afro-Ethnologe nach Bahia gekommen sind ! Wir werden einen vollen Saal haben und anschließend bestimmt eine sehr lebhafte Diskussion !" "Oh, bitte nicht! Mit der afro-brasilianischen Kultur habe ich mich bisher noch nicht befassen können."(ein deutscher Akademiker). "Ich bin da in einem Ihrer Räume auf eine Studiengruppe für afro-baianische Kultur gestoßen. Das sind ja ausgemachte Marxisten ! Sorgen Sie dafür, daß die aus unserem Institut sofort verschwinden !"(ein leitender Angestellter des Goethe-Instituts München)."Diese Aneignung unseres Genossen Brecht durch das imperialistische westdeutsche Kulturinstitut werden wir nicht dulden !" (DDR-Freundschaftsgesellschaft in Calcutta)."Theatermachen bedeutet für diese jungen bengalischen Schauspieler nicht Flucht vor der Scheiße, vor dem Grauen in wenige bessere Stunden, sondern politisch-utopische Arbeit." "Und Ihre ´Antigone´ ist progressiv getünchter kulturimperialistischer Verrrat ! (ein deutscher Theaterregisseur und sein indischer Theaterkritiker). "Habt acht ! Diese westliche Bourgeoisie untergräbt mit ihrer Literatur, ihrem Theater, ihren Filmen die Moral und die Kultur unseres bengalischen Volkes !" (ein indischer Regierungsaufruf gegen die Goethe-Institute)."Jetzt halten Sie aber mal die Luft an ! Mit Ihren Programmen haben Sie schon genug Wind gemacht.Künftig etwas leiser treten, darf ich bitten !" "Jawoll, Herr General-Konsul !" (eine bundesdeutsche Obrigkeit in Calcutta)."Die ausgeführten Erfahrungen mögen zeigen, daß jenseits der Sprachvermittlung vor allem möglichst intensive kooperativ-prozessuale inter- und trans-kulturelle Arbeits-formen auf direktere Weise Verstehen und Verständigung ermöglichen und fördern, wie etwa gemeinsame Themenbewältigungen, Theater- oder Tanzinszenierungen, Film- und Medienprojekte etc. In solchen Unternehmungen kann das Eigene und das Andere erkennbarer produktiv zueinander finden und lernen, sich in wechselseitigem Begreifen gegenseitig zu achten und zu schätzen. Dann würde sich eine „intellektuelle Unter-entwicklung“, vor der einst Heiner Müller warnte, nur noch in Fällen von Selbst-überschätzungen oder Fremdunterschätzungen entlarven, also letztlich in einem fehlenden „willing suspension of disbelief“, einem Mangel an unvoreingenommener Verstehensbereitschaft."Kommentar: Die FREMGÄNGE von Roland Schaffner habe ich mit Neugier und zuneh-mendem Vergnügen gelesen, richtiger wäre vielleicht mit ´Faszination´. Diese Schrift beleuchtet eindrücklich einen Ausschnitt praktischer auswärtiger Kulturpolitik, der auch für zukünftige Generationen eine anregende Lektüre sein könnte. Kantigkeit der Wertungen und Einschätzungen ist ein durchgängiges Merkmal dieser Ausführungen und machen ihren besonderen Reiz aus. Daß die Erfah-rungen und Einsichten fast durchgängig mit Texten von Gastlandautoren unterlegt bzw. zum Ausdruck gebracht werden, ist ein sehr belebendes und zugleich verdeutlichendes Element der Darstellung, Ergebnis einer sehr wirkungsvollen Recherche-Arbeit.Erfrischend ist die über die ganze Strecke durchgehaltene und immer wieder durchscheinende politische Grundhaltung. Die Einsicht in die unerträglichen Problemlagen ist eine Seite und die Erkenntnis in die Lösungsmöglichkeiten ist die andere, aber schwierigere. Die Künste müssen diese Fragen nicht lösen. Aber sie leisten einen wesentlichen Beitrag, wenn sie den Finger in die Wunde legen. Dies scheint ja auch – mit Recht – diese Arbeit immer wieder motiviert zu haben.“ Dr. Horst Harnischfeger, 1976-1996 Generalsekretär des Goethe-Instituts München.

Anbieter: Dodax
Stand: 02.06.2020
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